Kirche einmal anders

Die Branche  für Wachdienste, Sicherheitsschlösser und Klingelanlagen  boomt, gerade in Berlin wird zunehmend abgeschlossen, abgesichert und abgesperrt - aus guten Gründen und schlechten Erfahrungen.  Von dieser Entwicklung sind auch die Kirchen nicht verschont. Dass  das nicht "im Sinne des Erfinders" sein kann, ist den christlichen Gemeinden nur allzu bewußt.

Nacht  der offenen Kirchen

Viele Gemeinden aller Konfessionen laden ein, am Pfingstsonntag-Abend  ihre Kirche einmal anders kennenzulernen. So offen wie die Türen sind auch die Veranstaltungen in dieser Nacht. Kirche zeigt sich in  all ihrer Vielfalt, geboten wird etwas für alle Sinne, für  den Leib genauso wie für die Seele. Aber auch wer die Stille oder  das persönliche Gespräch sucht, wird fündig werden.
Türen zu öffnen, anderen Einlaß zu gewähren, fordert Überwindung, vielleicht sogar Mut, bedeutet aber in jedem Fall eine Chance und ist für Christen sogar Pflicht, wenn Gastfreundschaft  keine leere Formel sein soll.
In diesem Sinne ist in der Nacht der offenen Kirchen jede und jeder  willkommen. In der Einladung an die christlichen Gemeinden, sich daran  zu beteiligen, wurde dies vor 2 Jahren einmal so formuliert: "Wir sind überzeugt,  dass es bei vielen Menschen eine große Neugier, ja sogar ein Verlangen gibt, sich unsere Kirchen einmal in Ruhe anzusehen. Menschen - Glaubende  und Nichtglaubende - nehmen Kirchen als Hinweise auf die Frage nach  dem Sinn und Ziel des menschlichen Lebens wahr. Sie suchen Orte, an  denen der Rhythmus ihres auf Leistung orientierten Lebens unterbrochen wird." Um solche Orte geht es in dieser Nacht.

Geist  der Furchtlosigkeit

Als Termin ausgerechnet Pfingsten zu wählen, war eine sehr bewußte Entscheidung:
Pfingsten ist das Fest, an dem die Kirchen an die Sendung des Heiligen Geistes erinnern. Wo dieser Geist Gottes ist, da ist Freiheit. Es ist  nicht der Geist der Furcht, sondern der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Dieser Geist inspiriert zur Öffnung, seit jenem ersten Pfingstfest in Jerusalem, an dem die Jünger nach dem Tod Jesus durch den Geist Gottes ihre Furcht überwanden und zu predigen begannen.
"In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen  Völkern unter dem Himmel", heißt es im Pfingstbericht  in der Apostelgeschichte, Menschen aus allen Völkern unter dem  Himmel leben auch in Berlin und im Land Brandenburg, an einem Wochenende wie Pfingsten kommen noch viele Gäste aus aller Welt dazu. Christen  verstehen sich als ein Teil der Vielfalt in dieser Region.

Offen  für Fremdes

"Berlin: offene Stadt - die Stadt als Ausstellung" heißt ein Projekt, das Berliner und Nicht-Berliner einlädt, die Stadt kennenzulernen.  Das Konzept ist einfach und doch überzeugend: Am besten lernt man die Stadt kennen, wenn man sie sich "erläuft". Im Führer  für die "offene Stadt" steht dazu: "'Offen' heißt:  bereit zur Veränderung, empfänglich für Begegnungen, der Zukunft zugewandt, offen für Fremdes, Anderes, Neues".  Dies trifft den Ton unserer Aktion: Auch wenn viele Kirchen nicht unmittelbar  an den empfohlenen Routen durch die "offene Stadt" liegen,  verstehen wir unser Angebot doch ganz in diesem Sinn und wollen das  Augenmerk einmal von den Hochhäusern und Baustellen weg auf die vielen Kirchen lenken.

Ökumene

Mit der "Nacht der offenen Kirchen" "üben" sich die christlichen Kirchen in Berlin und Brandenburg in Ökumene;  denn wir haben noch viel vor. Der ökumenische Charakter zeigt sich daran,  dass alle 30 Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg (ÖRBB) diese Initiative mittragen, es zeigt sich aber auch im Programm: zahlreiche Veranstaltungen wurden von Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen gemeinsam vorbereitet. Aus diesem Grund werden wir zum Abschluß  der "Nacht der offenen Kirchen" gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst feiern.

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